In den vergangenen Jahren sind immer mehr Menschen nach Europa geflüchtet. Eins der bevorzugten Ziele der Geflüchteten war und ist Deutschland.
Die Eskalation der Konflikte im Nahen Osten und dort vor allem in Syrien und dem Irak sowie die anhaltend schlechte Situation in Afghanistan und Pakistan haben zu diesem sprunghaften Anstieg geführt.

Integration ist in jeder Hinsicht wichtig, richtig und ein gesellschaftlicher Gewinn!

Es ist damit zu rechnen, dass eine große Zahl der geflüchteten Menschen Europa, Deutschland und Hamburg dauerhaft als ihren Lebensmittelpunkt sehen.

Es sinnvoll und geboten, die Integrationsbemühungen auch hier in Hamburg schnell zu intensivieren. Nur so ist es möglich, dass ein großer Teil der Geflüchteten mit Bleibeperspektive aktiv an der Gesellschaft und am Erwerbsleben teilnimmt. Neben vielen humanitären Gründen sprechen auch demoskopische Zahlen für diese Notwendigkeit. Ohne Zuwanderung wäre die Zahl der Menschen, die in der Bundesrepublik leben in den vergangenen Jahrzehnten um mehr als fünf Millionen gesunken.

Darüber hinaus laden die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger auch uns ein, darüber nachzudenken, wie wir in Zukunft miteinander leben wollen. Wird Hamburg zu einer Stadt mit vielen Mikrokosmen, die nebeneinander existieren? Spielen Einkommen, Bildung und Herkunft zukünftig eine so große Rolle, dass ein Austausch untereinander kaum noch möglich ist? Oder entwickelt sich unsere Stadt zu einem echten Miteinander, in dem Verschiedenheit als Bereicherung für das eigene Leben wahrgenommen wird? Kann es gelingen, dass aus alten und neuen Mitbürgern gute Nachbarn werden? Wenn ja, welche Konzepte sind dafür notwendig?

Wohnen und Leben Gemeinsam!

Diesem Gedanken geht der Initiativkreis Internationales Quartier nach. Gemeinsam wollen wir neue Wege gehen und ein großes Ziel verfolgen:

Ziel ist es, ein attraktives, urbanes Wohnquartier zu entwickeln, dass Integration, gleichberechtigte Interessen, bezahlbaren Wohnraum und die Entwicklung beruflicher Perspektiven zugleich berücksichtigt. Dabei sollen die Projektbeteiligten echte Gesprächspartner sein. Idee ist die Schaffung eines Wohn- und Lebensumfeldes, dass nicht nur für, sondern mit seinen Bewohnerinnen und Bewohnern geplant wird.

Mitten in Hamburg kann ein Quartier entstehen, in dem Integration nicht nur möglich ist, sondern wichtigster Bestandteileteil der Planungen und Überlegungen ist. Die Idee ist ein offenes Areal, dass für neue sowie alt eingesessene Hamburgerinnen und Hamburger gleichermaßen attraktiv ist. Ein Platz zum Leben und Wohnen, an dem Integration sichtbar und der Austausch miteinander selbstverständlich wird. Integrationsangebote sollen aus den abgeschlossenen Bereichen der Erst- und Folgeunterkünfte herausgeholt werden und in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Das ist nur möglich, wenn Angebote gemacht werden, die auch für die Bevölkerung aus den umliegenden Wohnquartieren einen Zugewinn darstellen.

Daher verbindet dieses Quartier Wohnen, Bildung, Nahversorgung, Kultur und Freizeitangebote. Durch diese Mischung, seine zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner und erst recht durch seine Angebote entwickelt das Quartier eine Strahlkraft, die über die unmittelbare Umgebung hinaus wirkt. Es bezieht alle Projektbeteiligten gleichberechtigt mit ein. Ein gänzlich neues Wohn- Lern-, Arbeits- und Lebensprojekt entsteht: Das Internationale Quartier Hamburg (IQHH).

In Hamburg, wie in allen deutschen Großstädten sind bezahlbare Wohnungen in angemessener Größe absolute Mangelware. Geflüchtete haben es aufgrund ihrer Lebenssituation und ihrer kurzen Aufenthaltsdauer in Hamburg auf dem freien Wohnungsmarkt besonderes schwer. Doch gerade in Großstädten ist die Wohnsituation ein zentrales Kriterium für gesellschaftliche Integration. Ein gutes nachbarschaftliches Miteinander und ein lebendiger Stadtteil unter Einbeziehung aller Bewohnerinnen und Bewohner ist mit öffentlich-rechtlichen Unterbringung kaum zu vereinbaren. Daher kann ein konzeptioneller Ansatz, der die Möglichkeiten für Begegnungen beinhaltet – wie z.B. explizit im Integrationskonzept des Hamburger Senats beschrieben – die Wohnsituation nicht ausklammern. Gesucht werden daher Wohnangebote, die Integration über Angebote an alle Bewohnerinnen und Bewohner selbstverständlich macht.

Bestehende Angebote der Umschulungsvorbereitung, der Umschulung, der Sprachförderung und der Qualifizierung werden in ein neu entstehendes oder erweitertes Wohnquartier ebenso integriert, wie Orte der Begegnung und der Nahversorgung. Dafür ist es zunächst wichtig, gemeinsame Interessen und Anforderungen zu definieren. Gleichberechtigte Teilnahme und Teilhabe setzt einen Dialog auf Augenhöhe voraus. Daher sollen die Geflüchteten auch wirtschaftlich als Partner eingebunden werden.

Genossenschaftliches Wohnen

Ein Dach über dem Kopf, eine eigene Wohnung ist die Grundvoraussetzung, in einem Land, in einer Gesellschaft heimisch zu werden. Eine zugewiesene Wohnung oder ein Leben in einer Folgeunterkunft können da nur eine Übergangslösung sein.

Die Schaffung von Wohneigentum scheint für Geflüchtete derzeit ein ehrgeiziges, fast utopisches Ziel zu sein. Doch schon der große Sozialreformer und Begründer des deutschen Genossenschaftswesens Friedrich Wilhelm Raiffeisen erkannte „Was der Einzelne nicht vermag, dass vermögen viele.“ Hamburg ist eine Hauptstadt des genossenschaftlichen Wohnens. In kaum einer anderen Stadt sind im Laufe der letzten hundert Jahre so viele Genossenschaftswohnungen entstanden. Die meisten Genossenschaften fungieren dabei als gemeinschaftliche Bauträger und Vermieter an die eigenen Mitglieder. Die Idee des genossenschaftlichen Wohnens unter Einbeziehung ehemals Geflüchteter ist jedoch mehr als diese eher funktionale und formelle Beziehung unter den Genossenschaftsmitgliedern. Sie ist eine Rückkehr zum genossenschaftlichen Grundgedanken. Mit einer Wohnungsbau-Genossenschaft bilden die Mitglieder eine Solidar-, Wirtschafts- und Interessengemeinschaft, die auch bei sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten ein gemeinsames, gleichberechtigtes Handeln ermöglicht. Zudem bedeutet diese besondere Form genossenschaftlichen Wohnens die bewusste Entscheidung für eine internationale und integrative Lebensform.

Genossenschaftliches Wohnen ermöglicht es Menschen, die noch nicht lange in Hamburg leben, Wohneigentum zu erwerben.

Für die Errichtung des Internationalen Quartiers wird eine Genossenschaft gegründet. Sie plant und realisiert das Projekt. Der Initiativkreis Internationale Quartier (IQHH) fungiert dabei als Kern und Motor dieser Idee.

Mit der Gründung des Initiativkreises Internationales Quartier wird ein Prozess in Gang gesetzt, der neue Wege des Miteinanders in gleichberechtigter Partnerschaft ebnet.